Oktober 19, 2021

Gedanken über Buchwerbung und ihre negativen Auswirkungen

Nur wer keine Qualität erzeugt, hat es nötig, seine Waren anzupreisen … Solide Arbeit braucht keine Werbung … Qualität setzt sich von alleine durch …

Ich bin Jahrgang 1962 und Sprüche dieser Art haben mein berufliches Leben geprägt. Ich habe leider erst sehr spät gelernt, dass sie für frühere Generationen vielleicht galten, aber ganz sicher heute nicht mehr richtig sind, denn das Angebot ist zu groß. Die Menschen sehen mein liebevoll angefertigtes Produkt nicht, wenn ich es ihnen nicht explizit zeige.

Seitdem hängt dieser Spruch über meinem Schreibtisch:

„Ohne Werbung Geschäfte machen ist so, als winke man einem Mädchen im Dunkeln zu.“ (Stewart Henderson Britt )

Eigentlich sollte es so sein, dass Verlage die Werbung zum Verkauf der Bücher machen, an denen sie verdienen. Leider gründen sich aber heute viele Kleinverlage, deren Inhaber*innen wenig oder kein kaufmännisches Wissen mitbringen und den finanziellen und zeitlichen Aufwand von Marketingmassnahmen massiv unterschätzen und so manche(r) Autor*in ist enttäuscht vom mangelndem Leseinteresse an seinem/ihrem Buch. Woher soll er/sie auch wissen, dass es in der Masse ganz einfach nicht gefunden wird.

Autor*innen ist es also heute häufig selbst überlassen, für ihre Bücher zu werben, bzw. sich zu entscheiden, gleich als Selfpublisher zu veröffentlichen.

Manche Autoren machen reißerische Werbung für ihre Erzeugnisse, andere sind bescheiden und glauben an oben genannte Ideale. Für manche Autoren hat Werbung ein mieses Image, für andere ist sie selbstverständlich.

Werbung kann manipulativ sein, die Wahrheit unter schönen Bildern und raffinierten Aussagen verstecken. Das ist Werbung, die ich nicht mag, für die ich mich schämen würde, und von der wir leider in den Medien überschüttet werden.

Relevant ist, wie ich Werbung mache.

Wie winke ich jemandem zu, den ich kennenlernen möchte?

Ich möchte sympathisch und einladend wirken und ich möchte neugierig machen. Wenn ich etwas gutes und interessantes geschaffen habe und ich es den Menschen genauso vorstelle, wie es ist, ohne falschen Versprechungen zu machen oder / und mich aufzudrängen, dann können die Menschen, die sich dafür interessieren, danach greifen, es ausprobieren und sich meinen Namen merken, wenn ihnen gefallen hat, was sie bekommen haben.

Leider verderben Autoren, die manipulativ, aggressiv oder sogar betrügerisch für ihre Bücher werben, viel, ja, sogar den Ruf der ganzen Branche, doch es gibt einen großen Unterschied zwischen aggressivem Manipulieren und freundlichem Zuwinken – das eine ist kurzlebig, das andere langfristig erfolgreich.

Ein Verkauf über unseriöse Werbung ist wie eine zerplatzende Seifenblase, eine Leser*in fühlt sich betrogen und kauft nie wieder. Ein Verkauf über seriöse Werbung kann zum Beginn einer wunderbaren Geschichte werden.

Sabine Bruns www.liebelesenleben.de

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