Juni 21, 2021

Gendern – warum?

Es ist doch merkwürdig, dass Berufsbezeichnungen von Berufen, in denen in der Vergangenheit ausschließlich Frauen gearbeitet haben, umgehend geändert werden, sobald auch Männer in diesen Berufen tätig werden (Krankenschwester, Kindergärtnerin, Hebamme ….). Doch wenn Frauen vermehrt Berufe ergreifen, in denen in der Vergangenheit nur Männer gearbeitet haben, sträubt man sich, dies auch in den Bezeichnungen deutlich werden zu lassen (Ärzte , Lehrer, Automechaniker ….).

Als ich zwanzig Jahre alt war, musste ich mich noch dagegen wehren, als Fräulein betitelt zu werden. Wir alle waren es so gewohnt, dass junge unverheiratete Frauen eben Fräuleins waren, und Frau wurde belächelt, wenn sie auf die Anrede Frau bestand. Heute sind Frauen zum Glück auch mit achtzehn schon vollwertige Frauen, keine verniedlichten „…leins“ mehr. Anscheinend ist der Kampf für diese Selbstverständlichkeit schon in Vergessenheit geraten, was schade ist. Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln, wenn eine junge Frau mir sagt: “ … meine Güte, ist doch egal …“

Menschen lieben Gewohnheiten, denn sie bedeuten erprobte Sicherheit. Das ist eine seit der Evolution in unserem Unterbewusstsein verankerte Erfahrung aus der Tierwelt. Selbst manche junge Frauen haben Angst, die Gewohnheit der alten Ordnung zu verlieren, denn wer weiß, ob sie ohne den „starken Mann“ überhaupt zurechtkommen. Umso wichtiger ist es, für Veränderungen zu kämpfen, denn nur so wird unsere Welt gerechter.

Mich nervt es auch manchmal, den * in die Worte einzufügen, oder ihn zu lesen, aber genau dieser NERV ist es, der zum Nachdenken anregt und für Veränderung sorgt.

Frauen sind im Jahre 2021 immer noch benachteiligt. (Gerade erst hat mir wieder ein „Fachmann“ erklärt, mit einem Thriller haben nur Autoren auf dem Buchmarkt Chancen) Und solange das so ist, müssen wir nerven.

… Ach, sie wissen nicht, ob mit „nur Autoren“ nur männliche Autoren gemeint waren? Vielleicht wollte dieser „Fachmann“ ja ausdrücken, dass nur schreibende Menschen mit Thrillern Erfolg haben, jedoch keine, die einen Krimi als Hörbuch herausgeben wollen. … Vielleicht doch in Zukunft das Sternchen benutzen?

Sabine Bruns (www.liebelesenleben.de)

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