Oktober 19, 2021

So wird ein Buch draus …

Als ich beschlossen habe, hauptberuflich Romane zu schreiben, war mir klar, dass ich mich nicht auf kreative Höhenflüge und kontinuierlich vorhandene Schreiblust verlassen darf. Deshalb gewöhnte ich mir ein System mit festen Zeiteinteilungen an. Dadurch entsteht kein Stress und Schreibblockaden haben keine Chance.

So gehe ich vor:

Als Erstes habe ich eine Idee. Dann schreibe ich sofort den Klappentext für das zukünftige Buch und mache mir ein paar Notizen über den groben Verlauf der Geschichte.

Die Idee samt Klappentext wandert in meine große Ideenkiste (die allerdings seit einigen Jahren ein Ordner in der Dropbox ist).
Wenn ich ein neues Buch anfangen will, stöbere ich in meiner Ideensammlung und entscheide mich für die Idee, die mich gerade am meisten reizt. (Manche Ideen reizen auch nie und werden irgendwann einfach wieder vernichtet.)

Bevor ich irgendwelche anderen vorbereitenden Arbeiten beginne, entscheide ich, zu welchem Genre die Geschichte später zugeordnet werden soll.
Fast alle Themen/Konfliktstoffe, über die ich Geschichten schreiben möchte, lassen sich in verschiedenen Genres bearbeiten. So kann beispielsweise ein Drama aufgrund gesellschaftlicher Unterschiede ein Thriller, eine Romance, ein Young adult oder ein Erotikbuch werden.
Wichtig ist, dass ein Buchhändler später weiß, in welches Regalfach das Buch gehört und dass Leser*innen wissen, was sie bekommen, wenn sie es kaufen.

Ich überlege, in welcher Zeit (Jahr und Jahrezeit) die Geschichte stattfinden soll, und wie viele Protagonisten beteiligt sind. Nun lasse ich diese Personen lebendig werden. Wie sehen sie aus? Wie ist ihr Charakter? Was für eine Vergangenheit haben sie? Was sind ihre Lieblingsfarben, was essen und trinken sie gerne. Haben sie ein Haustier? Fahren sie Auto? Leben sie sparsam oder schwelgen sie im Luxus? Hierfür brauche ich lange. Die beteiligten Personen müssen mir so vertraut werden, als würden sie zu meinem engsten Freundeskreis gehören. Nur wenn „echte“ Personen mitspielen, wird auch die Geschichte „echt“.

Nun wird es Zeit, festzulegen, wo die Handlung spielt. Hierbei ist es mir wichtig, Orte und Gegenden zu nehmen, die ich kenne. Sich allein auf Google Street View und ein paar Fotos zu verlassen, reicht nicht aus. Jeder Ort hat eine besondere Atmosphäre und die muss in der Geschichte spürbar werden.

Natürlich gehört Recherche dazu. Ich muss mich über geplante Inhalte informieren, von denen ich nicht aus eigener Lebenserfahrung genügend weiß. Dies gilt nicht nur für die wichtigsten Inhalte (mit welcher Waffe wird der Mord begangen) sondern auch für den Alltag meiner Hauptpersonen. Soll ein Protagonist beispielsweise Bäcker sein, muss ich mich über die Arbeit, Arbeitszeiten und Besonderheiten des Berufes informieren, indem ich mit einem Bäcker spreche oder eine Bäckerei besuche und besichtige. Viel findet man im Internet, aber das, was nachher die Qualität im Roman ausmacht, nicht. (Was nervt den Bäcker am meisten? Was geht während der Arbeit oft schief?Was ist körperlich anstrengend? Wie ist die Lautstärke in einer Backstube oder modernen Brotfabrik? Isst ein Bäcker selber gerne Brot? Ist der Beruf kreativ oder wird es schnell Routine?)

Erst nach diesen ganzen Vorarbeiten schreibe ich eine vollständige ausführliche Inhaltsangabe über die gesamte Handlung.
Dann teile ich diese Inhaltsangabe in die Szenen eines Filmes auf. Das ist meine Basis, mein Plot.

Es beginnt die eigentliche Schreibarbeit. Ich formuliere die einzelnen Szenen aus meinem Plot aus. So ungefähr sieht dabei meine Systematik aus:

Im Plot steht für die Szene z.B. :
Sie gestehen sich ihre Liebe am Lagerfeuer, als das große Gewitter kommt.

  1. Erweiterung:
    Was reden sie?
    Er: „Immer wenn ich dich ansehe, habe ich das Bedürfnis, dich zu berühren.“
    Sie: „Ich träume nachts von dir.“
    Er: „Geh mit mir.“
    Sie: „Ja.“
  2. Erweiterung:
    Was tun sie während des Redens?
    Er stellte sich vor sie, sodass sie stehenbleiben musste. „Immer wenn ich dich ansehe, habe ich das Bedürfnis, dich zu berühren.“
    Sie schluckte und starrte zu ihm auf: „Ich träume nachts von dir.“
    „Geh mit mir“, flüsterte er und zog sie sanft an seine Brust.
    Sie nickte. „Ja.“
  3. Erweiterung. Diese ist die wichtigste Erweiterung. Hierbei nutzen mir meine Fähigkeiten als Mentaltrainerin. Ich visualisiere die Szene, ich lasse den Film vor meinem inneren Auge ablaufen und steige hinein. Ich schreibe auf, was ich sehe, rieche, spüre. Wo sind sie? Wie ist die Atmosphäre? Was fühlen und denken sie?
    Dichte Gewitterwolken zogen auf. Sie sah zum Himmel und beschloss, den Platz am Lagerfeuer zu verlassen, um Schutz vor dem aufziehenden Gewitter zu suchen. Der Waldboden roch nach Feuchtigkeit, Mücken surrten um ihren Kopf herum. Plötzlich stand er vor ihr und versperrte den Weg. „Immer wenn ich dich ansehe, habe ich das Bedürfnis, dich zu berühren.“
    Sie wollte vorbei, doch er umfasste sanft ihren Arm und schüttelte den Kopf.
    Sie schluckte und starrte zu ihm auf. Ein paar Haarsträhnen fielen ihm in die Stirn. „Ich träume nachts von dir.“
    „Geh mit mir“, flüsterte er und zog sie sanft an seine Brust. Sie hörte den kräftigen regelmäßigen Schlag seines Herzens atmete seinen Duft ein. Warum kämpfte sie gegen ihren Gefühle? Warum erlaubte sie sich nicht, einfach glücklich zu sein?
    Er schob sie ein Stück weg und sah ihr stumm fragend in die Augen. Blitze zuckten über den dunklen Nachthimmel.
    Ihr Mund war trocken. Sie nickte. „Ja.“

So entstehen die Bausteine meiner Romane.
In der Regel verlaufen die Arbeitsphasen parallel. Während ich vormittags vier Stunden lang Schreibarbeit mache (mein Arbeitsziel sind dabei 1000 Worte pro Tag), finden nachmittags die Vorarbeiten für neue Geschichten statt.

Sabine Bruns

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